Happy Birthday William Lindley!
HAMBURG WASSER Aktuell vom 7. September 2008
Sonderausstellung
Konstrukteur der modernen Stadt
William Lindley in Hamburg und Europa
(1808 - 1900)
1. Oktober 2008 bis 22. Februar 2009
hamburgmuseum
Holstenwall 24, D 20355 Hamburg
Dienstag bis Samstag, 10 bis 17 Uhr
Sonntag, 10 bis 18 Uhr
Weitere Informationen finden Sie unter www.hamburgmuseum.de [Externe Website öffnet in neuem Fenster]
Buchtipp
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Am 5. Mai 1842 brach in Hamburg der Große Brand aus, der vier Tage andauerte und rund ein Drittel der damaligen Innenstadt zerstörte. Die Katastrophe war Anlass, das innere Stadtgebiet umfassend neu zu gestalten. Die zentrale Figur war dabei der englische Ingenieur William Lindley. Zunächst nur beauftragt, die Eisenbahnstrecke von Hamburg nach Bergedorf zu bauen, führte der Brand dazu, dass die Hamburger Rath- und Bürgerdeputation ihm die Aufgabe übertrug, Pläne für den Wiederaufbau des gesamten abgebrannten Stadtgebiets zu entwickeln.
Lindleys ambitionierte Planungen bildeten für Hamburg den Schritt von mittelalterlichen Stadtstrukturen hin zu einer modernen Infrastruktur - mit breiten Straßen, Gehwegen, Gasbeleuchtung und einer öffentlichen Wasserversorgung für alle Häuser. Darüber hinaus entwickelte Lindley in Hamburg ein Sielsystem für die geregelte Abwasserentsorgung - das erste auf dem europäischen Kontinent. Mit seinen Plänen legte Lindley die Grundlage moderner Stadthygiene. Zuvor waren die Abwässer häufig in den Gewässern gelandet, aus denen die Menschen auch ihr Wasser zum Trinken und für den Haushalt gewannen. Die Folgen waren Krankheiten oder gar Epidemien.
Am 29. November 1842 erfolgte in der Straße Große Bleichen der erste Spatenstich für die neue Kanalisation. Bereits ein Jahr nach seiner Beauftragung durch die Stadt konnte William Lindley das erste moderne Siel in Betrieb nehmen. Nach nur drei Jahren war das elf Kilometer lange Netz des nach dem Großen Brand neu zu bebauenden Stadtgebiets fertig.
Lindleys umfangreiche Arbeiten gingen mit entsprechend hohen Kosten einher. So ließ die Kritik an seinem Wirken nicht lange auf sich warten - trotz seiner unbestrittenen Leistungen für die Hansestadt. Als ihm die erstmals gewählte Bürgerschaft 1860 die Verlängerung seines Beratervertrags verweigerte, verließ Lindley verbittert Hamburg. Doch das war lange nicht das Ende seiner Karriere. Nach seinem Weggang aus der Hansestadt wirkte Lindley in zahlreichen anderen deutschen Städten wie Frankfurt am Main, Düsseldorf, Krefeld und Chemnitz. Und auch in Europa nahmen Großstädte die herausragenden Leistungen des englischen Ingenieurs in Anspruch - so etwa Warschau, Budapest, St. Petersburg und Moskau.
Auch in Hamburg besann man sich schon kurz nach Lindleys Abgang auf seine Leistungen und würdigte diese entsprechend: 1869 wurde die Straße zum zentralen Wasserwerk nach ihm benannt, 1885 wurde er mit einem Reliefmedaillon im Rathaus verewigt. Darüber hinaus wurde dem genialen Ingenieur 1992 am Hafenrand ein Denkmal gesetzt, das dort neben dem Einstieg ins Kuhmühlenstammsiel steht.
Anlässlich seines 200. Geburtstages am 7. September 2008 feiert die Hansestadt Lindley und widmet ihm unter anderem eine Ausstellung im hamburgmuseum, für die HAMBURG WASSER diverse Exponate bereitstellt.
Lindley-Biografie in Stichpunkten
07.09.1808 Geburt in London
Mit 16 Jahren das erste Mal in Hamburg. Erlernen der deutschen Sprache und knüpfen erster gesellschaftlicher Kontakte
Nach abgebrochener Banklaufbahn Ausbildung zum Ingenieur bei den
damals in London führenden Ingenieurbüros Marc Isambard Brunel und
später Francis Giles
1833 Erster Auftrag in Hamburg: Planung und Bau der Eisenbahnlinie Hamburg-Bergedorf. Bau: 1838 - 1842
05.-08.05.1842 Der Große Brand legt ein Drittel Hamburgs in Schutt
und Asche. Bereits Monate vor dem Großen Brand war Lindley vom
Hamburger Senat beauftragt worden, Pläne für eine Kanalisation zu
machen. Nach dem Brand erhielt er den Auftrag für eine gesamte
Neuplanung des abgebrannten Stadtgebietes. Schon wenige Tage nach dem
Brand Vorlage der Pläne beim Senat: Breite Straßen mit Gasbeleuchtung
und Gehwegen, öffentliche Wasserversorgung aller Wohnungen, Wasch- und
Badehäuser sowie ein Kanalisationsnetz für ganz Hamburg
31.08.1842: Berufung zum Berater der Technischen Kommission Hamburg
29.11.1842 Erster Spatenstich Sielbau in der Straße Große Bleichen
1845 Fertigstellung des 11 Kilometer umfassenden Entwässerungsnetzes im Bereich des Großen Brandes
1848 Baubeginn der "Stadtwasserkunst Rothenburgsort", der ersten
gesamten Trinkwasserversorgung Hamburgs. Zeitgleich Bau eines modernen
Gaswerkes unter Lindley: Umstellung der Straßenbeleuchtung von dunklen
Tranöllampen zu hellem Gaslicht
1850-1860: Aufträge zur Wasserver- und Abwasserentsorgung aus Kiel, Stettin, Leipzig und Stralsund
1860 verließ Lindley Hamburg
1862 Eröffnung eines eigenen Ingenieurbüros in London. Ausbildung seiner drei Söhne William, Robert und Joseph im eigenen Haus
1863 Auftrag Planung und Bau einer Kanalisation nach Hamburger Vorbild für die Stadt Frankfurt am Main
Weitere Aufträge aus Chemnitz, Krefeld und Düsseldorf, Elberfeld, Wuppertal, St. Petersburg, Budapest, Moskau und Warschau
1879 Rückzug aus dem Geschäftsleben; seine drei Söhne führten sein Ingenieurbüro weiter
22.05.1900 Tod in London

