Der Traum von der Stadt am Meer

Das Museum für Hamburgische Geschichte hat gemeinsam mit zahlreichen internationalen Wissenschaftlern eine einzigartige Ausstellung konzipiert: „Der Traum von der Stadt am Meer – Hafenstädte aus aller Welt“ stellt im weltweiten Vergleich die historischen Hintergründe und modernen Perspektiven der Küstenmetropolen dar und macht dabei auch die vielfältigen Veränderungen der Hafenstädte im Laufe ihrer Geschichte deutlich. An den Beispielen Venedig, Genua sowie Gdánsk/Danzig und St. Petersburg werden die unterschiedlichen Gründungsmotive und Stadtentwicklungen vorgestellt. Die Metropolen Hamburg, Barcelona, Marseille und Schanghai sowie London und Rotterdam werden mit ihren zukunftsorientierten stadtplanerischen Projekten gezeigt. Ebenso vertreten sind die Ostseestädte Stockholm, Kiel, Rostock sowie Reval/Tallinn und Riga. Ein weiterer Ausstellungsschwerpunkt behandelt die Entstehung und Bedeutung von Mythen und Sagen, unter anderem durch die Darstellung der versunkenen Städte Vineta und Rungholt, wodurch die vielschichtige und ambivalente Bedeutung des Meeres für den Menschen veranschaulicht wird. Außerdem stehen, um den utopischen Aspekt der Ausstellung zu behandeln, verschiedene architektonische Visionen - ausgehend von den Entwürfen der großen Architektengeneration um Le Corbusier - , im Zentrum der Schau.

In den vergangenen Jahren haben sich entscheidende Veränderungen in der Ökonomie und im internationalen Handelsverkehr vollzogen. Von dieser Umwandlung sind besonders die Hafenstädte in ihren Umstrukturierungsprozessen und der damit verbundenen Suche nach einer neuen urbanistischen Identität betroffen.

Die Revitalisierung von Hafengebieten beschäftigt die Stadtplaner auch in Hamburg. So ist ein gigantischer Umstrukturierungsprozess von brachliegenden Hafenflächen eingeleitet worden: Das Projekt „HafenCity“ will einerseits die Hafenstadt mit ihren funktionalen Anpassungen an die Anforderungen eines modernen Güter-umschlagplatzes thematisieren. Diese sollen dem Hafenstandort seine internationale Wettbewerbsfähigkeit erhalten. Andererseits will das Projekt ungenutzte Hafenfläche städtebaulich und architektonisch neu definieren, um sie mit der „Innercity“ zu einem neuen Stadtareal zu entwickeln.

Eine der Aufgaben scheint es zu sein, den Wandel als Erweiterung des klassischen Hafenzentrums vom Ort des Warenaustausches zur technologisch geprägten, innovativen, urbanen Struktur zu begreifen. So ist es in der Tat heutzutage für die Stadtplaner nicht allein eine Aufgabe, die Hafengebiete großer Küstenstädte technologisch an die neuen Anforderungen des Welthandels anzupassen. Ein weiteres Ziel ist, neue überzeugende Konzepte zu entwickeln, die die historisch gewachsene, funktional bedingte Trennung der Hafengebiete von den übrigen Bereichen der Stadt wieder aufheben.

Oft versuchen Politik und privater Investorenwille gemeinsam über die Ausschreibung internationaler städtebaulicher Ideenwettbewerbe eine Optimierung für die Umstrukturierung der Hafengebiete zu erreichen und gleichzeitig die
Funktionsmischung einer zukunftsfähigen Stadt in den Monostrukturen der Häfen zu verankern.

Ziel ist, attraktive und innovative Stadtbausteine zu entwickeln, in denen neue Formen urbanen Wohnens und Arbeitens mit originellen Dimensionen von Freizeit und Kulturnutzung verknüpft werden können. Damit sollen andere Formen des Lebens in der „Stadt am Meer“ für die Zukunft ermöglicht werden. In diesem Sinne sind die Veränderungen nicht nur eine Herausforderung für Politiker und Investoren, sondern auch für Stadtplaner, Architekten, Künstler und Intellektuelle.

Das Museum für Hamburgische Geschichte möchte mit der Ausstellung „Der Traum von der Stadt am Meer“ einen Beitrag zu den gegenwärtigen Diskussionen liefern. Zugleich möchte es für einen städtebaulichen, sonst nur Spezialisten zugänglichen Umstrukturierungsprozess sensibilisieren, um das Verständnis solch radikaler Veränderungen zu erleichtern.

Um die historischen Hintergründe und modernen Entwicklungen der verschiedenen Metropolen darzustellen, versammelt die Schau zahlreiche, zum Teil noch nie in Hamburg gezeigte Exponate aus aller Welt, von Originalzeichnungen des Architekten Le Corbusier bis zu Objekten der Stadtgeschichte St. Petersburgs, von Ausgrabungen der versunkenen Städte Vineta und Rungholt bis zur Vorstellung der künftigen Megastadt Schanghai.

Sie gliedert sich dabei in folgende vier Abschnitte:

Im Mittelpunkt des Ausstellungsbereichs „Die Stadt am Meer in der europäischen Mythologie“ stehen Mythen und Sagen vom Sieg des Meeres über den Menschen. Am Beispiel der versunkenen mittelalterlichen Städte Vineta und Rungholt wird die vielschichtige Bedeutung des Meeres für den Menschen veranschaulicht.

Unter dem Motto „Städte am Meer und ihre Geschichte“ werden an den Beispielen Venedig, Genua, Gdánsk/Danzig und St. Petersburg die unterschiedlichen Gründungsmotive und Stadtentwicklungen im Laufe der Geschichte dargestellt.

Der Ausstellungsteil „Architektenträume des 20. Jahrhunderts“. widmet sich architektonischen Visionen am Beispiel Le Corbusiers, Yona Friedmans, Herman Sörgels sowie der japanischen Metabolisten Kisho Kurokawa und Kiyonori Kikutake.

Im Zentrum steht hierbei das Werk des berühmten französischen Architekten Le Corbusier, der wie kein zweiter seine Pläne für Städte und Bauten aus den Formen des Meeres entwickelte und zugleich Anregungen für weitere Utopien gab.

Ein weiteres Projekt der Vergangenheit, das die Fantasie vieler Architekten und Planer beeinflusst hat, wurde 1927 von dem Münchener Architekten Herman Sörgel entwickelt. Das „Atlantropa-Projekt“ sah die Absenkung des Mittelmeeres vor, womit Europa und Afrika verbunden und neue Siedlungsgebiete gewonnen werden sollten. Renommierte Architekten, Ingenieure, Künstler und Schriftsteller aus ganz Deutschland beteiligten sich in den Folgejahren an den Planungen von der Absenkung des Mittelmeeres.

Moderne Visionen, wie die „Brückenstädte“ des französischen Architekten Yona Friedman oder die maritimen Entwürfe der japanischen Metabolisten Kisho Kurokawa und Kiyonori Kikutate aus den 60er Jahren ergänzen die Schau.

Abschließend werden die sich weltweit vollziehenden Veränderungen in der Hafentopographie in ausgewählten europäischen und außereuropäischen Seestädten unter dem Titel „Hafenstädte im Wandel“ thematisiert.

Der Begleitband ist für 28,50 Euro erhältlich.