Textversion · Sonderausstellung  

Experiment und Tradition
Schmuck und Gerät von Hilde Risch und Eva Mascher-Elsässer

Es war die Zeit der Aufbruchstimmung in den 20er Jahren des vergangenen Jahrhunderts, als Hilde Risch und Eva Elsässer sich an der Hallenser Kunstgewerbeschule Burg Giebichenstein kennen lernten. Sie besuchten die Metallklasse von Karl Müller und zählten damit zu den ersten Frauengenerationen, die in einem entsprechenden Beruf ausgebildet wurden – Hilde Risch zur Gürtlerin, Eva Elsässer zur Silberschmiedin. Aus der Schulkameradschaft wurde schließlich eine lebenslange Freundschaft.

1927 gründeten die Künstlerinnen eine gemeinsame Werkstatt in Halle im dem Haus, in dem Vater Elsässer ein Juweliergeschäft betrieb; Reisen und Arbeitsaufenthalte führten sie in den nächsten beiden Jahren ins Rheinland, nach England und nach Italien. „Im Sommer 1929 hielten wir uns acht Wochen in London auf“, schrieb Eva Mascher-Elsässer später über die gemeinsame Zeit, „hier offenbarte sich uns der Zauber des Goldes an den herrlichen Sammlungen aus Ur, Babylon, Ägypten, Mykene, Etrurien mit dem Wunder der Granulation.“ Diese Begegnung beeinflusste die Arbeiten der Künstlerinnen offenbar nachhaltig, denn oft fühlt man sich beim Anblick ihrer Schmuckstücke an die Geschmeide antiker Kulturen erinnert. Nach ihrer Rückkehr 1930 nahmen sie erstmals an der Leipziger Messe teil; als „Standgebühr“ blieb ein – heute leider verlorenes – silbernes Rahmservice im Grassimuseum. Seit derselben Zeit experimentierten sie auch häufiger mit Schmuck und beide machten 1931 ihre Gesellenprüfung als Goldschmiedin.
Und obwohl Eva Elsässer 1935 heiratete und nach dem Ende des Zweiten Weltkrieges mit ihrer Familie nach Göttingen, später nach Braunschweig und schließlich in die Pfalz umsiedelte, während Hilde Risch aus familiären Gründen in Halle blieb, trennten ihre Wege sich nicht, denn beide blieben in engem Kontakt, arbeiteten weiter und nahmen an Ausstellungen teil, zu denen Hilde Risch auch über die Grenze des Eisernen Vorhangs hinweg eingeladen wurde. 1963, mit Eintritt ins Rentenalter, siedelte sie nach Köln-Wesseling über.
Bis weit in die 80er Jahre hinein reichte die überaus produktive Tätigkeit der beiden Schmuckgestalterinnen, die geprägt blieb von Erfindungskraft und Arbeitsfreude.

Anlass für die Ausstellung des Museums für Hamburgische Geschichte war die Gelegenheit, den gesamten Nachlass der beiden Künstlerinnen zu sichten und aus diesem umfangreichen Material heraus bestimmte Aspekte, etwa die formale Verwandtschaft zu historischen Schmuckformen, besonders zu beleuchten. Die teilweise Präsentation innerhalb der Räume der Modeabteilung bietet hierbei interessante Möglichkeiten der Kombination. Eisenarbeiten, von beiden Künstlerinnen gern und bereits seit den 1930er Jahren angefertigt, werden in Beziehung gesetzt zu dem ihnen ideell vorbildlichen Eisenschmuck des 19. Jahrhunderts, Schmuckstücke mit Jugendstil- und Art-Deco-Motiven stehen neben Kleidern aus dem frühen 20. Jahrhundert.
Ergänzt wird der Nachlass durch Leihgaben deutscher Museen, die vor allem die Frühzeit der Arbeiten aus der Hallenser Zeit repräsentieren.
Hilde Risch und Eva Mascher-Elsässer werden zu den „Klassikern“ der Schmuckkunst des 20. Jahrhunderts gezählt, und der Aspekt der Tradition gehört zu den markanten Motiven ihrer Arbeit - gepaart allerdings mit einem gehörigen Maß an Material- und Experimentierfreude sowie gelegentlicher Ironie.
 

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