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Historisch eingerichtete
Witwenwohnung des Krameramtes
Krayenkamp 10, D 20459 Hamburg
fon ++49·(0)40·3750 1988
Eintritt: € 2,- (ermässigt € 1,50,-)
U-Bahn Rödingsmarkt, S-Bahn Stadthausbrücke
Die KWW ist in den Wintermonaten bis zum
1. April
samstag und sonntags von 10.00 -17.00 Uhr geöffnet.
Am 1. Mai 2012 bleibt die Außenstelle geschlossen.
Die in unmittelbarer Nähe der Großen
Michaeliskirche gelegenen Krameramtswohnungen, Krayenkamp 10/11, sind
das letzte erhaltene Beispiel für eine ehemals typisch hamburgische
Wohnhofsanlage aus dem 17. Jahrhundert. Die beiden Häuserzeilen mit
dem schmalen Gang dazwischen dienten bis 1968 als Altenwohnungen.
Eine durchgreifende Restaurierung wurde aufgrund statischer Versetzungen
der Gebäude notwendig, verursacht durch bauliche Veränderungen in
der Umgebung. Im Juni 1974 konnten die unter maßgeblicher Beteiligung
des Denkmalschutzamtes durchgeführten Bauarbeiten abgeschlossen
werden. Seitdem hat der Galerist Walter Mensch als Hauptmieter zusammen
mit weiteren Läden und einer Kaffeestube dem Hof eine neue Nutzung
gegeben.
Eine der alten Witwenwohnungen ist in ihrem ursprünglichen Zustand
erhalten und vom Museum für Hamburgische Geschichte mit einer
vollständigen Einrichtung aus der Zeit um 1850/60 ausgestattet worden.
Damit wird zum einen das Wohnen großstädtischer Mittelschichten
in der Vergangenheit dokumentiert, für das es nur selten museale
Darstellungen gibt; zum anderen soll die Museumswohnung über
die Geschichte der Krameramtswohnungen aussagen.
Im Jahr 1375 schlossen sich die Kleinhändler, die ihren festen Stand
oder Laden in der Stadt besaßen und vornehmlich mit Gewürzen, Seidenstoffen
und Eisenwaren handelten, im Krameramt zusammen und gaben dieser zuftmäßigen
Vereinigung Statuten. Das Zunftzeichen der Kramer, später Krämer, Kolonialwarenhändler
genannt, zeigt ihre beiden wichtigsten Messgeräte: die kleine Balkenwaage
und die Elle. Dieses Zeichen befindet sich auf einer Tafel außen im
Hof, und im Empfangsraum der Wohnung sind die beiden Geräte als Originale
aus der Zeit um 1800 zu sehen.
Im Jahr 1676 ließ die wohlhabende Berufsorganisation auf dem von ihr
erworbenen Gelände eines bürgerlichen Lust- und Ziergartens bei der
Michaeliskirche Freiwohnungen für jeweils 20 Witwen ihrer verstorbenen
Amtsbrüder errichten. Um einen neuen Krämer zuzulassen, lag es im
Interesse der Zunft, die Witwen aus den Ladengeschäften in Altenwohnungen unterzubringen.
Auf den Bau 1676 weist ebenfalls eine Tafel mit der Stiftungsinschrift
an der Hauswand im Hof hin.
Bei der Wohnhofbebauung blieben die beiden auf dem Gartengrundstück
bereits befindlichen Häuser bestehen. Es sind dies die Häuser A sowie
M und N. An der Art des Fachwerks mit den starken Vorkragungen (Überstände
des oberen über die jeweils unteren Geschosse) und den ornamental
beschnitzten Knaggen (Konsolen, die die Vorkragungen zwischen den
Ständern vermitteln) sieht man, dass dies ältere Bauten
sind. Bei der Dendrochronologie (Zeitbestimmung durch die Holzjahresringe)
konnte eine Bauzeit um 1620 ermittelt werden. Zu dieser Zeit war
gerade die Neustadt in den Festungsgürtel der Stadt
mit einbezogen worden.
In den beiden älteren Häusern des Hofes weisen die freigelegten Deckenmalereien
des 17. Jahrhunderts auf den ursprünglich vornehmeren, großbürgerlichen
Besitz hin.
Das Haus an der Straße, durch das der Torweg auf den Hof führt,
wurde erst um 1700 errichtet, als der Krayenkamp eine vorverlegte
Straßenführung
erhielt. Es gehörte nicht eigentlich zu den Kramerwitwenwohnungen,
sondern wurde zu Wohnzwecken vermietet. Die 1676 gebauten Reihenhauser
im Hof hatten alle den gleichen Zuschnitt: Je zwei Wohnungen standen
spiegelgleich nebeneinander.
Wie die Museumswohnung heute noch zeigt, bestanden sie im Erdgeschoss
aus einem Eingangsflur, von dem die schmale Treppe nach oben führt,
einem kleinen Zimmer mit Fenster zum Hof und einer rückwärtigen
engen Küche mit ursprünglich offenem Herd unter einem
Rauchfang. Die Küche
erhielt Tageslicht nur durch das zum Zimmer führende Innenfenster.
Wasserleitungen sind erst kurz vor 1900 in die Wohnung verlegt worden,
vorher gab es einen Brunnen im Hof.
Das Obergeschoss wird ganz von einem Wohnraum eingenommen. Neben dem
Schornstein mit dem angeschlossenen gusseisernen Ofen befindet sich
eine Bettstatt, die mit einem hölzernen Gehäuse, einem Alkoven,
umschlossen ist. Eine weitere Treppe führt ins Dachgeschoss,
das zum Hof hin eine befensterte Luke hat, durch die früher der
Brennstoff, Holz und Torf, eingenommen werden konnte. Herd, Fenster,
Alkoven und Treppendocken sind aus den hier vorgefundenen alten Ausstattungen
wiederverwendet. Die übrigen Möbel und Geräte der heutigen
Wohnung sind z.T. nachweislich aus alten Krämerhaushalten bzw. diesen
entsprechend aus Museumsbeständen ausgesucht worden. Die so vervollständigte
Einrichtung gibt einen zutreffenden Eindruck sowohl von den räumlichen
und technischen Beschränkungen im Wohnen vor mehr als hundert Jahren
als auch von einer gewissen Behaglichkeit, Ruhe und von gesicherter,
gewachsener Form. Allerdings wohnten hier nicht ausgesprochen arme
Leute, sondern Angehörige einer Mittelschicht, die zu der Zeit einen
großen Anteil an der großstädtischen Bevölkerung
hatte.
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