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Die sephardischen Juden, die sich am Ende des 16.
Jahrhunderts in Hamburg niederließen, waren wohlhabende Kaufleute
mit weitreichenden Handelsverbindungen nach Übersee. Nicht zuletzt
auch durch ihre Beteiligung an der 1619 gegründeten Hamburger Bank
förderten sie den Aufstieg Hamburgs zu einem internationalen Handels-
und Geldzentrum im 17. Jahrhundert. Allerdings gab es bereits damals
eine starke soziale Schichtung unter den Juden in der Stadt; zu ihnen
gehörten nicht nur reiche Kaufleute und Makler, sondern auch Bäcker
und Köche, Arbeiter und Hausangestellte. In der Mitte des 18. Jahrhunderts
sollen die 858 aschkenasischen Steuerzahler in der Stadt 68 verschiedene
Berufe ausgeübt haben. Bedingt durch die seit dem Mittelalter geltenden
Berufsbeschränkungen waren sie in der Regel jedoch von zünftigen
Handwerken ausgeschlossen und konzentrierten sich deshalb auf den Handel
und das Geldgeschäft. Dieses reichte vom Hausieren bis zum Großhandel,
von der Pfandleihe bis zum Wechselgeschäft. Insbesondere im Klein-
und Straßenhandel waren auch Juden tätig. Die Juden zeichneten
sich insgesamt durch große berufliche Mobilität aus. Im produzierenden
Gewerbe - z.B. dem Kattundruck - wurden sie auch als Unternehmer tätig.
Als Besonderheit gilt der über Hamburg und Altona hinaus bedeutende
Buchdruck. Für die selbständige unternehmerische Tätigkeit
von Frauen ist Glückel von Hameln (1646 -1724) ein Beispiel. Die
Beteiligung jüdischer Familien an der Gründung von Privatbanken
im 19. Jahrhundert gehörte noch zu deren traditioneller Wirtschaftstätigkeit,
sie wurde durch die steigende Kapitalnachfrage und die weitreichenden
Verbindungen der Juden ins Ausland begünstigt, In der neu aufkommenden
Industrie gab es keine Standesschranken, so dass jüdische Unternehmer
in diesen expandierenden Wirtschaftszweig mit Risikobereitschaft und
Flexibilität investierten. Erfolgreich waren sie vor allem in der
chemischen Industrie, der Metallindustrie und dem Maschinenbau. Die
Einführung der Gewerbefreiheit 1865, die rasche Bevölkerungszunahme
und die neuartige Massenproduktion für Textilien förderten
die Gründung von Warenhäusern, einem neuen Typ des Handels
mit einem großen Angebot und niedrigen Preisen, Überdurchschnittlich
viele Juden waren Besitzer dieser Warenhäuser. In Hamburg entstanden
jedoch in der Regel Filialen großer Häuser aus anderen Städten,
z.B. der Firma Hermann Tietz (Hertie). Während des Kaiserreiches
und der Weimarer Republik wurden in Hamburg vier jüdische Reedereien
gegründet. Juden arbeiteten aber auch in leitenden Stellungen anderer
Schifffahrtslinien; der Generaldirektor der' HAPAG, Albert Ballin, gehörte
neben dem Bankier Max M. Warburg zu den besonders einflussreichen Persönlichkeiten
seiner Zeit. Die herausragende Stellung einzelner jüdischer Unternehmerpersönlichkeiten
und Firmen darf nicht darüber hinwegtäuschen, dass die Mehrzahl
der in Hamburg lebenden Juden in vielfältigen Wirtschaftszweigen
der Stadt mit weit gefächerten Verdienstmöglichkeiten tätig
war. Traditionelle Vorurteile und der Neid auf die erfolgreiche jüdische
Konkurrenz erleichterten es dann den Nationalsozialisten seit 1933,
Juden aus den meisten Berufen zu verdrängen, jüdische Vermögen
einzuziehen, jüdische Firmen zu enteignen und der jüdischen
Bevölkerung Hamburgs damit die Existenzgrundlage zu entziehen.
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