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Mit der Novemberrevolution 1918 und der Verfassung
der Weimarer Republik von 1919 erhielten alle Männer und Frauen
dieselben staatsbürgerlichen Rechte und Pflichten. Damit war nun
- zumindest rechtlich - auch die Emanzipation der jüdischen Frauen
festgeschrieben. Der nunmehr erreichten politischen Emanzipation aller
Juden folgte jedoch nicht die soziale Gleichstellung, da die nationalistischen
und antisemitischen Einstellungen aus dem 19. Jahrhundert fortwirkten.
Der Hamburger Mittelstand verlor durch die Revolution von 1918 einen
Teil seines politischen Einflusses und akzeptierte rasch die Behauptung,
die Juden seien die Vorkämpfer der Revolution gewesen. Diese Sichtweise
wurde durch die Tatsache gestützt, dass mit den durch das Bürgertum
heftig bekämpften demokratischen Parteien, die nunmehr in die Bürgerschaft
gewählt wurden, auch einige Juden in den Senat und in hohe Staatsämter
gelangten. So konnte Hamburg zu einem Zentrum des Antisemitismus werden,
der sich rasch in Berufsvereinigungen, Schulen und der Kirche ausbreitete.
Die Demokraten waren so sehr mit der Lösung der vor allem wirtschaftlichen
Probleme beschäftigt, dass sie nicht entschieden genug den judenfeindlichen
Bestrebungen entgegentraten, Zwar setzte sich keine der großen
Organisationen in der Weimarer Republik für die Juden ein, sie
fanden in ihrer zunehmenden Isolation aber Rückhalt bei vielen
Einzelnen. Sie erweiterten zugleich ihre vielfältigen Vereinsaktivitäten
um Wirtschaftsschulungs- und Sprachkurse sowie im Sportbereich. Bereits
im 1908 eingerichteten Kolonialinstitut waren jüdische Professoren
tätig. Den internationalen Ruf der 1919 gegründeten Hamburger
Universität bestimmten in den 1 920er Jahren dann u.a. der Jurist
Albrecht Mendelssohn Bartholdy, der Kunsthistoriker Erwin Panofsky und
der Physiker Otto Stern. Mit dem Philosophen Ernst Cassirer wurde 1929/30
erstmals ein Jude Rektor einer deutschen Universität. Eine besondere
Bedeutung erlangte die von Aby M. Warburg angelegte Kulturwissenschaftliche
Bibliothek.
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