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In keiner anderen Religion hat das Lernen einen
so hohen Stellenwert wie im Judentum. Das Lesen der heiligen Schriften
gehört zu den Pflichten eines frommen Juden. Der Schulunterricht
beschränkte sich bis in das 18. Jahrhundert aber vor allem auf
die Unterweisung der Knaben in die religiösen Texte, bestand aus
dem Auswendiglernen der fünf Bücher Moses und des Talmud.
Der Unterricht fand in der Synagoge - die deshalb auch die Bezeichnung
"Schul" trägt - oder im Zimmer des Lehrers, dem "Cheder",
statt. In einem Verzeichnis von 1732 werden in Hamburg 39 Schulen für
deutsche Juden genannt. Seit der Mitte des 18. Jahrhunderts entstand
im Zuge der Aufklärung bei vielen jüdischen Eltern der Wunsch,
ihren Kindern neben der religiösen auch eine weltliche Ausbildung
zukommen zu lassen. Nur wenige wohlhabende Familien konnten ihre Kinder
auf ein Gymnasium schicken oder sich einen privaten Lehrer leisten,
der Mathematik, Naturkunde, Sprachen, Geschichte u.a. unterrichtete.
1783 entstand deshalb in Hamburg die erste Schule für arme jüdische
Knaben, 1798 eine weitere für Mädchen. Im 19. Jahrhundert
erfolgten dann mehrere Neugründungen jüdischer Schulen in
Hamburg, beginnend mit der Talmud-Tora-Schule 1805. Sie machten wiederholt
Reformen durch, wurden z.T. auch zusammengelegt und waren oft von den
Persönlichkeiten geprägt, die an ihnen als Leiter und Lehrer
wirkten. Entsprechend den erhöhten Anforderungen an die Ausbildung
der Schüler, gelang den jüdischen Schulen in der zweiten Hälfte
des 19. Jahrhunderts die staatliche Anerkennung ihrer Abschlüsse
und der Ausbau zu höheren Schulen. - Mehrere private jüdische
Schulen überstanden die Wirtschaftskrise am Ende der Weimarer Republik
nicht und mussten um 1930 schließen. Alle anderen jüdischen
Schulen in Hamburg wurden infolge der Verfolgung der Juden durch die
Nationalsozialisten seit 1933 Stätten der Zuflucht für jüdische
Kinder, bevor sie geschlossen wurden. Am 30. Juni 1942 wurde jeder Unterricht
für jüdische Schüler verboten. Die wenigen jüdischen
Schüler und Lehrer, die sich damals noch in Hamburg befanden, wurden
fast alle deportiert und umgebracht.
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