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Das jüdische Leben in Hamburg in den Jahren
zwischen 1871 und 1918 war gekennzeichnet durch die formale Gleichberechtigung
sowie die Wirksamkeit bekannter jüdischer Persönlichkeiten
auf Wirtschaft und Kultur. Dennoch blieben Juden aus vielen Bereichen
des beruflichen und gesellschaftlichen Lebens ausgeschlossen, wenn sie
sich offen zu ihrem Glauben bekannten. Die rasanten Veränderungen
infolge der Entwicklung Hamburgs zu einer modernen Handels- und Verkehrsmetropole
am Ende des 19. Jahrhunderts führten bei Teilen der Mittelschicht
zu Ängsten und Verunsicherungen, wovon antisemitische Parteien
und Organisationen profitierten, die in den Juden Wegbereiter der Modernisierung
und Feinde der Tradition sahen. Eine Verstärkung erhielt der politische
Antisemitismus durch den zunehmenden Nationalismus, in dem deutschnationale
Parolen auch auf die Ausgrenzung der Juden gerichtet waren. Der Nationalismus
in den europäischen Staaten und die Verfolgungen der Juden in Osteuropa
förderten aber auch ein jüdisches Selbstbewusstsein und den
Wunsch nach einem eigenständigen jüdischen Staat, Ihren politischen
und organisatorischen Halt fanden diese Ideen im Zionismus, dessen Verfechter
die Gründung eines jüdischen Staates in Palästina anstrebten.
1909 fand in Hamburg der einzige Zionistenkongress im Deutschen Reich
statt. Das Ziel der zahlreichen jüdischen Auswanderer, die über
Hamburg Europa verließen, waren vor allem die USA, teilweise bereits
auch Palästina. Der Erste Weltkrieg schien für die Juden eine
Gelegenheit zu sein, ihre staatsbürgerliche Verlässlichkeit
unter Beweis zu stellen. Zugleich wurde ein großer Teil von ihnen
von der allgemeinen Kriegsbegeisterung mitgerissen und meldete sich
freiwillig zum Kriegsdienst. Die in der Heimat Verbliebenen setzten
ihre Wirtschaftskraft dafür ein, die Versorgung der Bevölkerung
zu sichern. Ein Teil der Hamburger Juden, darunter der Reeder Albert
Ballin, stand dem übersteigerten Nationalismus und den weitreichenden
Kriegszielen des Deutschen Reiches aber distanziert gegenüber und
geriet auch mit seiner Forderung nach einer Demokratisierung des Stadtstaates
in Gegensatz zu den Hamburger Führungsschichten.
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