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Juden in Hamburg - 01 - Die ersten Juden kommen nach Hamburg

Die seit den 1580er Jahren in Hamburg lebenden portugiesischen Juden wurden als Christen angesehen und waren aufgrund ihrer Wirtschaftsverbindungen hochwillkommen. Zu ihnen gehörten der Gewürzhändler Ferdinand Dias, der nach Brasilien handelnde Kaufmann Emanuel Alvares, der Makler Adrian Gonzalves und der Zuckerimporteur Diego Gomes. Um 1612 lebten rund 125 Sepharden in Hamburg, um 1663 waren es bereits 600. Sie wurden erstmals 1603 offiziell als "Juden" bezeichnet, als die Bürgerschaft vom Senat ihre Ausweisung verlangte. Diese Forderung wurde auch von seiten der Hamburger Geistlichkeit in den folgenden Jahrzehnten häufig wiederholt. Es kam immer wieder nicht nur zu Beschimpfungen, sondern auch zu tätlichen Angriffen auf die Juden durch die aufgewiegelte Bevölkerung. Als Begründung dienten die bereits seit dem Mittelalter gegen die Juden vorgebrachten Anschuldigungen: Die Schändung christlicher Frauen, Kirchen und Symbole sowie übergroßer Luxus. Es mischten sich traditionelle Vorurteile mit der Furcht vor wirtschaftlicher Konkurrenz. Der Senat warnte dagegen vor Übergriff en gegen die Juden. Ihm war die Bedeutung der finanzstarken Juden mit ihren internationalen Verbindungen für die Wirtschaft der Stadt bewusst. 1612 gestattete er den Juden gegen eine Zahlung von 1000 Mark für fünf Jahre den Aufenthalt, versagte ihnen aber die Ausübung ihrer Religion. In einem Reglement wurde ihnen dann 1650 die private Religionsausübung erlaubt, der Bau von Synagogen jedoch weiterhin verboten. Die Juden selbst bemühten sich um ein möglichst zurückhaltendes Auftreten in der Stadt, um zu keinen Widerständen Anlass zu geben. Vorsorglich nahmen sie das vom dänischen König Christian IV. angebotene Privileg an, sich im neu gegründeten Glückstadt niederzulassen, das der König als Handelskonkurrenz zu Hamburg an der Niederelbe hatte anlegen lassen. Hier boten sich ihnen viel großzügigere Freiheiten der Ansiedlung, Handel zu treiben und ihre Religion auszuüben. Die dortige portugiesisch-jüdische Ansiedlung blieb jedoch unbedeutend. Am Ende des 17. Jahrhunderts war ein Teil der einst angesehenen und einflussreichen sephardischen Persönlichkeiten in Hamburg verstorben. Als Senat und Bürgerschaft 1697 von den portugiesischen Juden hohe jährliche Abgaben für ihren Aufenthalt in Hamburg forderten und den Gottesdienst wieder stark einschränkten, wanderte ein Teil der reichen Familien in das tolerantere dänische Altona, nach Ottensen und weiter nach Amsterdam aus. Diese Entwicklung sowie Streitigkeiten in der Gemeinde führten im 18. Jahrhundert dazu, dass Zahl und Bedeutung der portugiesischen Juden in Hamburg weiter abnahmen. Aschkenasische Juden, die aus Altona stammten, sind in Hamburg wohl für das Jahr 1621 nachweisbar. Infolge des Dreißigjährigen Krieges flohen dann 1627 und 1644 weitere Altonaer Juden nach Hamburg, wurden jedoch wieder ausgewiesen und durften gegen den Kauf eines teuren Passierscheines nur ihrer Erwerbstätigkeit in der Stadt weiter nachgehen. Waren sie jedoch im Dienst der portugiesischen Juden in der Stadt, konnten sie bleiben, Aschkenasische Juden aus Wandsbek sind erstmals 1688 in Hamburg nachweisbar. Ihnen boten sich hier - wie den Altonaern - bessere Verdienstmöglichkeiten, aber schlechtere rechtliche Lebensbedingungen. Als dänische Schutzjuden konnten sie sich jedoch jederzeit wieder in den beiden Orten niederlassen.


Juden in Hamburg
- Die ersten Juden kommen nach Hamburg
- Aufklärung und Emanzipation
- Im Deutschen Kaiserreich
- In der Weimarer Republik
- Verfolgung und Vernichtung unter der NS-Herrschaft
- Jüdische Schulen
- Juden im Hamburger Wirtschaftsleben
- Wohnverhältnisse und Wohngebiete
- Die Synagoge