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Hamburg im 20. Jahrhundert (2) - 08 - An die Grenzen des Wachstums

Die Kritik vor allem junger Menschen u.a. an der Atomrüstung, dem Vietnamkrieg, autoritärem Verhalten und unkritischem Konsumdenken entstand aus einer grundsätzlich kritischen Haltung gegenüber der etablierten Wohlstandsgesellschaft seit Ende der 1960er Jahre. Damals begann deutlich zu werden, dass dem Wirtschaftswachstum Grenzen gesetzt waren und dass eine Vielzahl gesellschaftlicher Probleme nicht gelöst war. Die vier autofreien Sonntage während der Ölkrise 1973 waren eher symbolische Versuche, einem internationalen Problem Herr zu werden und zeigten zugleich, dass die natürlichen Rohstoffvorräte auf der Welt begrenzt waren.

Nicht erst der Skandal in der Chemiefabrik Stoltzenberg 1979, in der trotz Kenntnis der Behörden große Mengen gefährlicher Kampfstoffe und Gifte unachtsam herumlagen, schärfte das Bewusstsein vieler Menschen für eine gesunde Umwelt. Viele Hamburger beteiligten sich an den Demonstrationen gegen das geplante und auch gebaute Atomkraftwerk Brokdorf an der Unterelbe. Als es im amerikanischen Harrisburg 1979 dann tatsächlich zu einem Atomunfall kam, besetzten rund 400 Atomkraftgegner für 17 Tage die Hauptkirche St. Petri und fanden viel Sympathie und öffentliche Resonanz.

Wohnraummangel und steigende Mieten lenkten in den 1970er Jahren die Aufmerksamkeit auf Defizite in der Wohnungspolitik und zugleich auf Hauseigentümer, die mit leerstehenden Wohnungen spekulierten. Rund 200 Jugendliche besetzten im Frühjahr 1973 ein von Abbruch bedrohtes Haus in der Ekhofstraße in Hohenfelde. Es wurde unter großem Polizeieinsatz geräumt, weitere Hausbesetzungen in anderen Hamburger Stadtteilen von Mitgliedern der Protestszene folgten jedoch. Weit über Hamburg hinaus bekannt wurde zwischen 1981 und 1995 die Besetzung von heruntergekommenen Häusern in der Hafenstraße und der Bernhard-Nocht-Straße auf St. Pauli. Die jahrelangen Rechtsbrüche und -streitigkeiten sowie die Polizeieinsätze machten die Hafenstraße sogar zu einer Touristenattraktion. Der Konflikt um die Hafenstraße veranlasste 1988 Bürgermeister Klaus von Dohnanyi zum Rücktritt.

Neue Lebens- und Wohnformen sowie ein kritische Bewusstsein bei Teilen der Bevölkerung gegenüber Politik, Wirtschaft und Umwelt kennzeichneten differenzierte Entwicklungen in der Hamburger Gesellschaft seit den 1970er Jahren. Obdachlose und Drogentote verdeutlichten, wie viele Probleme es weiterhin in der Stadt gab und wie weit die Spanne zwischen arm und reich, angepasst und ausgestoßen in Hamburg war.


Hamburg im 20. Jahrhundert (2)
- Hungerwinter, Flüchtlingselend, Schwarzmarkthandel
- Von der besetzten Stadt zum Bundesland
- Die moderne Metropole
- Im Rausch der Konsumgesellschaft
- Auf und ab im Wirtschaftswunder
- Gesellschaftskritik und alternative Politik
- An die Grenzen des Wachstums
- Kulturstadt Hamburg
- Am Ende des Millenniums

Hamburg im 20. Jahrhundert (1)