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Hamburg im 20. Jahrhundert (2) - 05 - Auf und ab im Wirtschaftswunder

Die Freigabe des deutschen Handelsschiffbaus 1951 führte zu einem Aufschwung der Hamburger Werften bis in die 1960er Jahre. Der spektakuläre Konkurs der Schlieker-Werft 1962 deutete dann aber bereits wieder einen Rückgang im Schiffbau an. Die Deutsche Werft und die Howaldtswerke versuchten 1966, der internationalen Konkurrenz durch eine Fusion zu begegnen. 1986 wurden sie von Blohm &Voss übernommen. Die große Zeit der Schiffsneubauten war in Hamburg seit den 1970er Jahren vorbei. Um konkurrenzfähig zu bleiben, waren im Hafen einschneidende Modernisierungen nötig, für die zugleich immer weniger Arbeitskräfte benötigt wurden. Da der Gabelstapler längst die Sackkarre abgelöst hatte, Handarbeit und Stückgutverladung eine immer geringere Rolle spielten, mussten die Lager-, Kai- und Verladeanlagen den neuen Erfordernissen angepasst werden: 1966 wurde die erste Anlage für Ro/Ro-Schiffe errichtet, die direkt mit Fahrzeugen be- und entladen werden konnten, 1968 wurde das erste Vollcontainerschiff gelöscht, das den Beginn einer neuen und effizienten Transportart aufzeigte.

Wie im Hafen so schwankte die Wirtschaftsentwicklung auch in anderen Branchen Hamburgs und entsprechend unterschiedlich war der Arbeitskräftebedarf. Er war in den 1970er und zu Beginn der 1980er Jahren so hoch, dass ausländische Arbeitnehmer angeworben wurden. Kontinuität bewies Hamburg als Industriestandort, an dem Mineralölfirmen, das Ernährungsgewerbe, die Tabakindustrie und der Maschinenbau die wichtigste Stelle einnahmen. Maßnahmen der Stadt zur Förderung der Wirtschaftsansiedlung konnten aber auch fehlschlagen, wie die Beteiligung Hamburgs am Aluminiumwerk Reynolds 1969 zeigte.

Seit den Nachkriegsjahren entwickelte sich Hamburg zum Medienzentrum der Bundesrepublik. Der Axel-Springer-Verlag, Gruner und Jahr sowie der Heinrich-Bauer-Verlag gaben unterschiedliche Tages- und Wochenzeitungen sowie Illustrierte heraus, die "Zeit", der "Stern" und seit 1952 der "Spiegel" beeinflussten maßgeblich die öffentliche Meinung im Land. Die Presse gehört wie Banken, Versicherungen, Werbefirmen und Unternehmensberatern zum Dienstleistungsgewerbe, das sich im letzten Viertel des 20. Jahrhunderts zum führenden Wirtschaftsbereich in Hamburg entwickelte.

Der Ausbau der Universität machte Hamburg auch zu einem Zentrum der Forschung. Physikalische Grundlagenforschung wird seit 1964 am deutschen Elektronen Synchrotron (DESY) betrieben. Die lange geplante Technische Universität in Harburg soll seit 1983 den Ruf Hamburgs als modernen Ausbildungsort festigen.


Hamburg im 20. Jahrhundert (2)
- Hungerwinter, Flüchtlingselend, Schwarzmarkthandel
- Von der besetzten Stadt zum Bundesland
- Die moderne Metropole
- Im Rausch der Konsumgesellschaft
- Auf und ab im Wirtschaftswunder
- Gesellschaftskritik und alternative Politik
- An die Grenzen des Wachstums
- Kulturstadt Hamburg
- Am Ende des Millenniums

Hamburg im 20. Jahrhundert (1)