virtueller Rundgang Index english
Button EinführungButton ChronikButton UGButton EGButton 1.EtageButton 2.EtageButton AussenstellenButton Einrichtungen             Impressum

 

 
 
Hamburg im 20. Jahrhundert (2) - 04 - Im Rausch der Konsumgesellschaft

In den 1950er Jahren wurde das tägliche Leben in Hamburg noch stark von den Folgen des Zweiten Weltkrieges bestimmt. Vor dem Hintergrund des Kalten Krieges verfestigte sich die politische Bindung an den Westen, zugleich begann mit der raschen wirtschaftlichen Erholung die Orientierung auf Mode, Musik und die bunte Konsumwelt vor allem der USA. Ob im Kino oder im neuen Medium Fernsehen, in den Vergnügungsstätten an der Reeperbahn, in den Kaufhäusern oder beim Friseur, überall wurde der amerikanische Einfluss nach den Jahren der Not erkennbar. Die Hungerjahre waren vorbei, der Lebensstandard stieg. Der 1949 gegründete Otto-Versand bewies erfolgreiche neue Vermarktungsmethoden für Kleidung und Haushaltsartikel. Der moderne Neubau des Alsterpavillons wurde 1953 zum Symbol für eine neue Lebensart und die Internationale Gartenbauausstellung in Planten un Blomen unterstrich im selben Jahr die freundliche Seite Hamburgs während des Wiederaufbaus. 1957 kam die Miss Germany aus Hamburg. Wie viele anderen Deutschen begannen die Hamburger zu reisen, wer es sich leisten konnte fuhr in den Urlaub, möglichst bis nach Italien.

Die beginnende Konsum- und Freizeitgesellschaft war von überschwenglichen Zukunftserwartungen geprägt. Bis in die 1960er Jahre erinnerten aber die Trümmergrundstücke in vielen Teilen der Stadt an die noch nicht überwundenen Folgen der NS-Zeit. Wer sich überhaupt noch mit der Zeit zwischen 1933 und 1945 beschäftigte - wenn er nicht ein Opfer war -, gab sich der Illusion hin, in Hamburg sei "alles nicht so schlimm gewesen".

In den 1950er Jahren galt Hamburg als "Hauptstadt der Vertriebenen", denn hier lebten 1954 275.000 Flüchtlinge aus den deutschen Ostgebieten, viele von ihnen in der Hoffnung, einst in ihre Heimat zurückkehren zu können. Zerstörte Familien mussten mit dem Tod oder dem ungeklärten Schicksal ihrer Verwandten in den Bombennächten, als Opfer des NS-Terrors oder als Soldaten an den Fronten leben; heftige Emotionen löste die Rückkehr der verbliebenen Kriegsgefangenen 1955 aus. Und nur 40 km von der Hamburger Stadtgrenze entfernt entstand ein zweiter deutscher Staat, der sich im August 1961 gegenüber dem Westen abschottete.


Hamburg im 20. Jahrhundert (2)
- Hungerwinter, Flüchtlingselend, Schwarzmarkthandel
- Von der besetzten Stadt zum Bundesland
- Die moderne Metropole
- Im Rausch der Konsumgesellschaft
- Auf und ab im Wirtschaftswunder
- Gesellschaftskritik und alternative Politik
- An die Grenzen des Wachstums
- Kulturstadt Hamburg
- Am Ende des Millenniums

Hamburg im 20. Jahrhundert (1)