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Hamburg im 20. Jahrhundert (2) - 03 - Die moderne Metropole

Bei Kriegsende war Hamburg eine der am stärksten zerstörten Städte Deutschlands, die Hälfte des Wohnraums war vernichtet, nur 20 % blieben unbeschädigt. Der Hafen war zu 80 % zerstört. Dem allmählichen Wiederaufbau musste erst die Beseitigung der Trümmer vorausgehen. Bis 1949 konnten bereits 53.000 Wohnungen neu gebaut oder instand gesetzt werden, 1952 wurde der 100.000. Neubau eingeweiht. Neben Wohnblocks gab es vorbildliche Siedlungen wie am Hohnerkamp in Bramfeld gegenüber. Die ursprünglich 1946 für britische Besatzungssoldaten geplanten und bis 1956 fertiggestellten zwölf Grindel-Hochhäuser wurden zum Symbol für den Massenwohnungsbau im Nachkriegsdeutschland.

Für die damalige Stadtplanung waren die Kriegszerstörungen von 1943 die entscheidende Zäsur, und so beruhten der Generalbebauungsplan von 1947 wie auch die Aufbaupläne von 1950 und 1960 auf Überlegungen von 1944. Eine aufgelockerte funktionale Stadt mit geringerer Wohndichte und viel Grünanlagen war das Ziel. Die Zerstörungen boten die Möglichkeit, Anfang der 1950er Jahre eine seit 1940 geplante Ost-West-Straße durch die Innenstadt zu legen. Moderne Verkehrsprojekte waren mit der steigenden Motorisierung auch in den folgenden Jahrzehnten unumgänglich, dazu gehörten die neue Lombardsbrücke (1953), der Wallringtunnel (1966), der Neue Elbtunnel und die Köhlbrandbrücke (1974). Pläne, den immer stärker genutzten Flughafen in Fuhlsbüttel durch einen Großflughafen in Kaltenkirchen zu ersetzen, scheiterten bis 1983.

Um die Innenstadt zu entlasten, wurde in den 1960er Jahren nördlich des Stadtparks die City-Nord angelegt. Zugleich erfolgten Planungen für Großwohnsiedlungen in den Außenbezirken der Stadt, u.a. Osdorfer Born, Mümmelmannsberg und Steilshoop. Attraktive Einkaufszentren in den Stadtteilen boten ein ebenso breites Warensortiment wie einst nur die Geschäfte der Innenstadt. Da das Einzugsgebiet der Metropole Hamburg allmählich bis weit nach Schleswig-Holstein und Niedersachsen hineinwuchs, erleichterte der neue Hamburger Verkehrsverbund 1965 den Nahverkehr.

Als am 16./17. Februar 1962 eine verheerende Sturmflut die Elbdeiche brechen ließ und 317 Tote forderte, mussten völlig neue Flutschutzmaßnahmen geplant werden, die bis zum Ende des 20. Jahrhunderts andauerten. In dessen zweiter Hälfte wichen die Zerstörungen des Weltkrieges im Stadtbild einer Vielzahl moderner Gebäude, die alle Symbole ihrer Entstehungszeit sind: die Universität (ab 1959), das Unilever-Haus (1964), der Fernsehturm (1968), das Congresszentrum (1973) oder die Fleetinsel (1990er). Mit der geplanten Hafencity führt ein Großprojekt in das 21. Jahrhundert.


Hamburg im 20. Jahrhundert (2)
- Hungerwinter, Flüchtlingselend, Schwarzmarkthandel
- Von der besetzten Stadt zum Bundesland
- Die moderne Metropole
- Im Rausch der Konsumgesellschaft
- Auf und ab im Wirtschaftswunder
- Gesellschaftskritik und alternative Politik
- An die Grenzen des Wachstums
- Kulturstadt Hamburg
- Am Ende des Millenniums

Hamburg im 20. Jahrhundert (1)