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Hungerwinter, Flüchtlingselend, Schwarzmarkthandel

Mit dem Ende der NS-Herrschaft und des Zweiten Weltkriegs war die Not der Hamburger Bevölkerung noch nicht vorbei. Rückkehrer, Flüchtlinge aus dem Osten und heimatlose Menschen zogen in und durch die Stadt, wo Wohnungsnot herrschte und die Versorgung mit Lebensmitteln und Brennmaterial zusammengebrochen war. Als Verkehrsknotenpunkt in Norddeutschland war Hamburg besonders stark von den Bevölkerungsbewegungen betroffen. Durch die Zuwanderung stieg Hamburgs Bevölkerungszahl von 1945 bis Ende 1947 um 500.000 auf 1,5 Millionen. 1948 lebten rund 200.000 Menschen in Notunterkünften, viele davon in Nissenhütten aus Wellblech.

Wer etwas zu tauschen hatte zog zum "Hamstern" in das Hamburger Umland, um Lebensmittel zu erwerben. Unter den alten und besitzlosen Menschen herrschte besonderes Elend, das durch extrem kalte Winter noch verstärkt wurde. Gleichzeitig entstand ein intensiver Schwarzmarkthandel, gegen den die Polizei und die Besatzungsbehörden rigoros vorgingen. In der Not nahmen Diebstähle zu und am "Kohlenklau" beteiligten sich auch Kinder, um zu Hause das Heizen und Kochen zu ermöglichen.
An den Schulen wurde seit August 1945 wieder unterrichtet; dort erhielten die Schüler seit dem Frühjahr 1947 mit Unterstützung aus England, den USA, Schweden und Dänemark tägliche Speisungen.

Die Not der ersten Nachkriegsjahre war nicht allein auf die Kriegszerstörungen zurückzuführen. Im Hafen, dem Motor der Hamburger Wirtschaft, fand weder Import- noch Exporthandel statt, und den Werften war der Schiffbau bis 1951 untersagt. Hinzu kamen unzulängliche Transportmittel, die fehlenden Kohlelieferungen sowie Verwaltungsprobleme in den Westzonen.

Die Währungsreform am 20. Juni 1948, mit der die DM eingeführt wurde, bewirkte über Nacht ein umfangreiches Angebot von Waren, die bis dahin gehortet worden waren. Langfristig folgte ein Wirtschaftsaufschwung, der die materielle Not verdrängte.


Hamburg im 20. Jahrhundert (2)
- Hungerwinter, Flüchtlingselend, Schwarzmarkthandel
- Von der besetzten Stadt zum Bundesland
- Die moderne Metropole
- Im Rausch der Konsumgesellschaft
- Auf und ab im Wirtschaftswunder
- Gesellschaftskritik und alternative Politik
- An die Grenzen des Wachstums
- Kulturstadt Hamburg
- Am Ende des Millenniums

Hamburg im 20. Jahrhundert (1)