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Hamburg im 20. Jh (1) - 14 - Vernichtung im Feuersturm

Während des Krieges mussten die Hamburger ständig mit der Furcht leben, dass mit dem nächsten Fliegeralarm ein Großangriff folgen würde. Dies war dann tatsächlich vom 25. Juli bis zum 3. August 1943 der Fall, als in der anglo-amerikanischen "Operation Gomorrha" in vier Nachtangriffen und zwei Tagesangriffen etwa 3000 Flugzeuge rund 9000 Tonnen Brand- und Sprengbomben auf Hamburg warfen. Beim ersten Angriff am 25. Juli um 0.57 Uhr wurden die Innenstadt sowie die Stadtteile Hoheluft, Eimsbüttel, Altona und die nordwestlichen Vororte und der Hafen schwer getroffen, die Nikolaikirche brannte aus.

Der vernichtendste Angriff erfolgte jedoch am 28. Juli ab 1.00 Uhr nachts auf Wandsbek, Eilbek, Hohenfelde, Borgfelde, Hamm, Horn, Hammerbrook und Rothenburgsort. Spreng- und Minenbomben rissen Dächer ab sowie Fenster und Türen aus den Häusern heraus, Brandbomben fanden somit rasch Nahrung und in kurzer Zeit standen diese Stadtteile in Flammen. Die Großbrände erzeugten in den Straßenschluchten orkanartige Feuerstürme, in deren heißer Luft nicht nur Bäume und Gebäudeteile umhergewirbelt wurden, sondern auch der Sauerstoff verbrannte, so dass viele Menschen in den Bunkern dieser Stadtteile erstickten. Den Feuerwehren war es teilweise nicht möglich, in diesem Inferno an die Unglücksorte vorzudringen. Am folgenden Tag stand eine riesige Qualmwolke über der Stadt

Die nächsten Angriffe trafen die Stadtteile Harvestehude, Rotherbaum, Uhlenhorst, Winterhude und Barmbek. Im Juli/August 1943 fanden rund 35.000 Menschen in Hamburg den Tod, Zehntausende wurden verletzt. Es war die größte Katastrophe, von der die Stadt je betroffen war. Ganze Stadtteile bestanden nur noch aus Trümmerfeldern, zahlreiche Straßen wurden wegen Einsturzgefahr der Häuser gesperrt. 61 % des Wohnraums waren zerstört, fast eine Million Menschen waren obdachlos, Hunderttausende flohen aus der Stadt. Die Dienststellen und Hilfskräfte in der Stadt waren auf Angriffe dieser Größenordnung nicht vorbereitet und bemühten sich nach Kräften, zu helfen. Die Stimmung in der Bevölkerung richtete sich in ohnmächtige Wut - geschürt von der Propaganda - gegen die Angreifer, Unmutsäußerungen gegen die Nationalsozialisten, die den Krieg verursacht hatten, waren die Ausnahme.


Hamburg im 20. Jahrhundert (1)
- Weltmachttaumel und Wahlrechtskämpfe
- Lebensverhältnisse im Kaiserreich
- Die mobile Großstadt
- Welthafen und Wirtschaftsmetropole
- Revolution in Hamburg
- Demokraten und ihre Feinde
- Im Jahrzehnt der Wirtschaftskrisen
- Groß-Hamburg
- Leben unter dem Hakenkreuz
- Die Abschaffung der Demokratie
- Auf dem Weg in die Kriegswirtschaft
- Verfolgung und Widerstand im NS-Staat
- Hamburg im Krieg
- Vernichtung im Feuersturm

Hamburg im 20. Jahrhundert (2)