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Hamburg im 20. Jh (1) - 10 - Die Abschaffung der Demokratie

Unmittelbar nach der Machtübergabe in Berlin am 30. Januar 1933 bemühte sich der Hamburger Senat, die Verfolgungsmaßnahmen der nationalsozialistischen Reichsregierung umzusetzen, um dieser keinen Anlass zum Eingreifen in der Stadt zu geben. Bereits am 1. März wurden 75 Funktionäre der KPD verhaftet, es folgten Sozialdemokraten, Gewerkschafter und andere Gegner der Nationalsozialisten. Auch deren Organisationen, Veröffentlichungen und Versammlungen wurden verboten. Bei der Reichstagswahl am 5. März 1933 gewannen die Nationalsozialisten mehr als 100.000 Stimmen gegenüber der letzten Wahl und erhielten 38,8 %. Sie ließen den Senat neu wählen, in welchem sie nun die Mehrheit hatten und mit Carl Vincent Krogmann den Ersten Bürgermeister stellten. Eigene Entscheidungsbefugnisse hatte der Senat aber nicht mehr, wie andere Länderregierungen musste er die Weisungen der Reichsbehörden in Berlin ausführen.

Die Schlüsselpositionen in den Hamburger Behörden wurden mit Nationalsozialisten besetzt, die engen Kontakt zum Gauleiter und Reichsstatthalter Karl Kaufmann hatten. Kommunisten, Sozialdemokraten und andere mögliche Gegner der Nationalsozialisten wurden aus Behörden, Schulen und berufsständischen Organisationen entfernt. Die verbleibenden Staatsbediensteten befolgten aus Überzeugung, Gleichgültigkeit oder Furcht die Anweisungen der Herrschenden. Das Hamburger Parlament, die Bürgerschaft, wurde am 14. Oktober 1933 aufgelöst.

Mit Terror von Polizei und SA, Einschüchterung, Spitzeln und loyalen Mitläufern gelang es den Nationalsozialisten, ihre Herrschaft in kurzer Zeit fest zu etablieren. Am 1. Januar 1935 hatte die NSDAP rund 46.500 Mitglieder in Hamburg, etwa 3,8 % der Einwohner, eine Zahl die über dem Durchschnitt im Deutschen Reich lag. Wesentlich mehr Hamburger waren Mitglieder in Unterorganisationen der Partei. Mit ihrer Hilfe war es möglich, dass das nationalsozialistische Regime bis 1945 bestehen konnte.


Hamburg im 20. Jahrhundert (1)
- Weltmachttaumel und Wahlrechtskämpfe
- Lebensverhältnisse im Kaiserreich
- Die mobile Großstadt
- Welthafen und Wirtschaftsmetropole
- Revolution in Hamburg
- Demokraten und ihre Feinde
- Im Jahrzehnt der Wirtschaftskrisen
- Groß-Hamburg
- Leben unter dem Hakenkreuz
- Die Abschaffung der Demokratie
- Auf dem Weg in die Kriegswirtschaft
- Verfolgung und Widerstand im NS-Staat
- Hamburg im Krieg
- Vernichtung im Feuersturm

Hamburg im 20. Jahrhundert (2)