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Hamburg im 20. Jh (1) - 07 - Im Jahrzehnt der Wirtschaftskrisen

Die Hamburger Wirtschaft war durch den Ersten Weltkrieg schwer getroffen worden. Die wichtigsten Hamburger Wirtschaftsbereiche, die Schifffahrt und der Außenhandel, wurden nach dem Krieg durch das Waffenstillstandsabkommen 1918 und den Versailler Friedensvertrag 1919 stark eingeschränkt, da die Seestädte den größte Teil ihrer Handelsflotten ausliefern mussten. Zudem waren die Handelsverbindungen zu den Überseestaaten abgebrochen. Die industrielle Produktion in Hamburg hatte unter großen Problemen zu leiden, da Rohstoff- und Kohlelieferungen ausblieben.

Die Geldentwertung der Nachkriegsjahre ermöglichte es Hamburger Schifffahrtsunternehmen allerdings, mit Devisengewinnen allmählich neue Flotten aufzubauen. Diese positive Entwicklung wurde durch die sich beschleunigende Inflation 1923 unterbrochen, Geldrücklagen wurden vernichtet und Firmen gingen ein. Die Lebensmittelpreise stiegen rasant und darauf folgende Unruhen bedrohten das politische System. Erst die Währungsstabilisierung Ende 1923 ermöglichte wieder ein geregeltes Wirtschaftsleben.

Aufgrund seiner Verbindungen in die USA und nach England erhielt Hamburg günstiges Kapital, so dass die Hamburger Wirtschaft mehr als das Deutsche Reich insgesamt vom Aufschwung in der zweiten Hälfte der 1920er Jahre profitierte. Besonders die Linienreedereien und speziell die HAPAG waren erfolgreich und verschafften auch den Hamburger Werften Aufträge. Bekannte Firmen der Tabakbranche, der Versicherungsbranche und des Technikvertriebs haben in dieser Zeit ihren Ursprung. Das Lohnniveau der Vorkriegszeit wurde allerdings erst 1927 für Arbeiter und 1929 für Angestellte erreicht.

Die relative Stabilität wurde durch die Weltwirtschaftskrise vom Winter 1929/30. Der Preisverfall auf dem Weltmarkt und die erschwerten Exportmöglichkeiten trafen Hamburg besonders stark. Reedereien legten Schiffe still, alteingesessenen Firmen meldeten Konkurs an, die Sozialausgaben der Stadt stiegen rasch. Die Arbeitslosigkeit erhöhte sich bis 1932 auf fast 40% und führte zur zunehmenden politischen Radikalisierung.


Hamburg im 20. Jahrhundert (1)
- Weltmachttaumel und Wahlrechtskämpfe
- Lebensverhältnisse im Kaiserreich
- Die mobile Großstadt
- Welthafen und Wirtschaftsmetropole
- Revolution in Hamburg
- Demokraten und ihre Feinde
- Im Jahrzehnt der Wirtschaftskrisen
- Groß-Hamburg
- Leben unter dem Hakenkreuz
- Die Abschaffung der Demokratie
- Auf dem Weg in die Kriegswirtschaft
- Verfolgung und Widerstand im NS-Staat
- Hamburg im Krieg
- Vernichtung im Feuersturm

Hamburg im 20. Jahrhundert (2)