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Hamburg im 20. Jh (1) - 06 - Demokraten und ihre Feinde

Mit der Verfassung vom 7. Januar 1921 wurde Hamburg zu einem demokratischen Land im Deutschen Reich. Die höchste Staatsgewalt lag nunmehr bei der in allgemeiner, unmittelbarer, gleicher und geheimer Abstimmung gewählten Bürgerschaft. Der Senat wurde von der Bürgerschaft gewählt und war ihr verantwortlich. Vor allem hatten nun auch die Frauen das Wahlrecht.

Trotz der wirtschaftlichen und sozialen Not der Nachkriegsjahre und Putschversuchen durch Republikfeinde von rechts (Kapp-Putsch 1920) und links (Kommunistischer Aufstand 1923) bewährte sich der demokratische Staat. Dazu trug bei, dass ein Teil der hanseatisch-konservativen Personen und Institutionen aus dem Kaiserreich bereit waren, ihn zu unterstützen. So war die Kontinuität in vielen Lebensbereichen größer als der Bruch durch die Revolution. SPD und Deutsche Demokratische Partei stellten - seit 1924 zusammen mit der Deutschen Volkspartei - bis 1933 den Senat und sorgten damit für Kontinuität.

Die Kommunistische Partei Deutschlands gewann mit ihrem Vorsitzenden Ernst Thälmann Anhänger unter denen, die sich radikalere Veränderungen wünschten, sie sah ihren politischen Gegner aber fälschlich in den herrschenden Sozialdemokraten und nicht im rechten Lager der Republikfeinde. Unter diesen erhielt vor allem die NSDAP seit 1925 Zulauf von den von der Republik enttäuschten, durch Arbeitslosigkeit um eine Zukunftsperspektive gebrachten Menschen besonders aus dem Mittelstand.

Der Staat hatte den gewalttätigen Auseinandersetzungen der Jahre nach 1930 kaum etwas entgegenzusetzen, obwohl sich demokratische Organisationen wie das Reichsbanner Schwarz-Rot-Gold, die SPD, die freien Gewerkschaften und die Arbeiter-Sportverbände 1931 gegen die Republikfeinde zur "Eisernen Front" zusammenschlossen. Dennoch erzielte die KPD in den Bürgerschaftswahlen 1932 16%; die Nationalsozialisten gewannen mit ihren radikalen und antisemitischen Parolen 31,2 % der Wählerstimmen und wurden stärkste Fraktion in der Bürgerschaft..


Hamburg im 20. Jahrhundert (1)
- Weltmachttaumel und Wahlrechtskämpfe
- Lebensverhältnisse im Kaiserreich
- Die mobile Großstadt
- Welthafen und Wirtschaftsmetropole
- Revolution in Hamburg
- Demokraten und ihre Feinde
- Im Jahrzehnt der Wirtschaftskrisen
- Groß-Hamburg
- Leben unter dem Hakenkreuz
- Die Abschaffung der Demokratie
- Auf dem Weg in die Kriegswirtschaft
- Verfolgung und Widerstand im NS-Staat
- Hamburg im Krieg
- Vernichtung im Feuersturm

Hamburg im 20. Jahrhundert (2)