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Hamburg im 20. Jh (1) - 05 - Revolution in Hamburg

Seit dem Sommer 1918 wurde deutlich, dass Deutschland den Ersten Weltkrieg verloren hatte. Aller Propaganda gelang es nicht, zu verbergen, daß der alte Obrigkeitsstaat versagt und in der Bevölkerung keinen Rückhalt mehr hatte. Reformen, Gleichberechtigung und politische Mitsprache wurden nicht gewährt, Hunger, Elend, Proteste und die Sehnsucht nach Frieden nahmen in der Bevölkerung zu.

Als Anfang November 1918 in Kiel Matrosen der Kriegsmarine meuterten, griff die Aufstandsbewegung rasch auf Norddeutschland über. Am 5. November beschlossen Arbeiter der wichtigsten Hamburger Werfen einen Solidaritätsstreik, wurden aber von Vertretern der SPD und der Gewerkschaften beruhigt. Auf einer Versammlung der USPD mit 10.000 Teilnehmern am Abend desselben Tages wurden jedoch für den kommenden Tag der Generalstreik ausgerufen, die Abdankung des Kaisers und die Errichtung einer sozialistischen Republik gefordert.

In der folgenden Nacht entwaffneten Marinesoldaten im Hafen liegende Torpedoboote und besetzten strategisch wichtige Positionen in der Stadt. Am 6. November bildeten sie mit Vertretern der USPD einen Arbeiter- und Soldatenrat. Dieser verkündete, die politische Macht übernommen zu haben und für die Aufrechterhaltung der Ordnung und die Lebensmittelverteilung sorgen zu wollen. Im Anschluss an eine Versammlung von etwa 40.000 Menschen auf dem Heiligengeistfeld, auf der der Arbeiter- und Soldatenrat über seine Ziele berichtete, zogen die Teilnehmer zum Generalkommando nach Altona, das die militärische Gewalt im Hamburger Raum besaß. Auf dem Weg dorthin kam es zu Feuergefechten, bei denen zehn Personen den Tot fanden.

Der Hamburger Senat arrangierte sich rasch mit den neuen Machthabern und erklärte noch am 6. November seine Bereitschaft zur Zusammenarbeit. Am 9. November dankte Kaiser Wilhelm II. ab und in Berlin wurde die Republik ausgerufen. Am 11. November unterzeichnete das Deutsche Reich den Waffenstillstand mit den Alliierten. Nach der Wahl zur verfassungsgebenden Bürgerschaft am 16. März 1919 gab der Arbeiter- und Soldatenrat seine Macht an das Parlament ab.


Hamburg im 20. Jahrhundert (1)
- Weltmachttaumel und Wahlrechtskämpfe
- Lebensverhältnisse im Kaiserreich
- Die mobile Großstadt
- Welthafen und Wirtschaftsmetropole
- Revolution in Hamburg
- Demokraten und ihre Feinde
- Im Jahrzehnt der Wirtschaftskrisen
- Groß-Hamburg
- Leben unter dem Hakenkreuz
- Die Abschaffung der Demokratie
- Auf dem Weg in die Kriegswirtschaft
- Verfolgung und Widerstand im NS-Staat
- Hamburg im Krieg
- Vernichtung im Feuersturm

Hamburg im 20. Jahrhundert (2)