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Hamburg im 20. Jh (1) - 04 - Welthafen und Wirtschaftsmetropole

Im ersten Jahrzehnt des 20. Jahrhunderts machten Schifffahrt und Handel weiterhin die Bedeutung Hamburgs aus. Als Welthafen nahm Hamburg 1912 nach New York und London die dritte Stelle ein, war mithin der wichtigste Hafen auf dem europäischen Kontinent. Reedereien mit weltweiten Schifffahrtsverbindungen hatten hier ihren Sitz, die Hamburg-Süd, die Deutsche Ostafrika-Linie, die Levante-Linie, die Woermann-Linie und die weltgrößte Schifffahrtsgesellschaft, die HAPAG. Letztere besaß 1913 eine Flotte von 175 Schiffen. Neben der Binnenschifffahrt auf der Elbe spielten die Küstenschifffahrt und vor allem die Überseeschifffahrt mit regelmäßigen Dampferverbindungen nach Nord-, Mittel- und Südamerika, nach West- und Ostafrika, in den Mittleren Osten und nach Ostasien eine wichtige Rolle.

Eng mit der Schifffahrt war der zunehmende Schiffbau verbunden, der Hamburg einen guten Ruf als Werftenstandort verschaffte. Außer der traditionsreichen Reiherstiegwerft und der Stülckenwerft boten die Werften von Blohm & Voß sowie die Vulcan-Werft (1909) und die Deutsche Werft (1914) Zehntausenden von Hamburgern Arbeitsplätze. Kriegsschiffe sowie die Ozeanriesen "Imperator", "Vaterland" und "Bismarck" aus den Jahren 1912 bis 1914 waren Symbole für das Streben des Deutschen Reiches nach Seegeltung.

Weitere Industriebetriebe machten Hamburg nach Berlin zum zweitgrößten Industriestandort im Deutschen Reich, auch wenn dies im öffentlichen Bewusstsein kaum eine Rolle spielte. Im Freihafen sowie in Hammerbrook und Billbrook, Barmbek und Winterhude und in den preußischen Nachbarorten gab es Maschinen- und Elektrofirmen, Ölraffinerien und Asbestfabriken, Kaffeeröstereien und Reismühlen.

An einem Wirtschaftsstandort wie Hamburg hatten Banken und Versicherungen ebenso eine große Bedeutung wie Dienstleistungsbetriebe. Im Trend der Zeit lagen architektonisch aufwendige Kaufhäuser mit einem breiten Warensortiment. 1912 richtete Rudolf Karstadt ein solches an der Mönckebergstraße und Hermann Tietz eines am Jungfernstieg ein.


Hamburg im 20. Jahrhundert (1)
- Weltmachttaumel und Wahlrechtskämpfe
- Lebensverhältnisse im Kaiserreich
- Die mobile Großstadt
- Welthafen und Wirtschaftsmetropole
- Revolution in Hamburg
- Demokraten und ihre Feinde
- Im Jahrzehnt der Wirtschaftskrisen
- Groß-Hamburg
- Leben unter dem Hakenkreuz
- Die Abschaffung der Demokratie
- Auf dem Weg in die Kriegswirtschaft
- Verfolgung und Widerstand im NS-Staat
- Hamburg im Krieg
- Vernichtung im Feuersturm

Hamburg im 20. Jahrhundert (2)