![]() |
||||||||||||
![]() |
![]() |
![]() |
![]() |
![]() |
![]() |
|||||||
|
Das 1897 eröffnete neue Rathaus beeindruckte durch seine Architektur, es symbolisierte aber keinen Wandel in den Herrschaftsverhältnissen. Wahlberechtigt für die Bürgerschaft waren nur Männer, und von diesen auch nur Besitzer des Bürgerrechts, noch nicht einmal 10 % der Einwohner. Die 18 Senatoren wurden unter Beteiligung der Bürgerschaft auf Lebenszeit gewählt. Ihnen unterstand eine unübersichtliche Verwaltung aus zahlreichen Behörden. Politische Willensbildung fand zwar auch in den zahlreichen Vereinen und den Organisationen der Arbeiterbewegung statt, an den Entscheidungen in der Stadt waren aber nur wenige beteiligt. 1902 wurde in Hamburg der "Deutsche Verein für Frauenstimmrecht" gegründet und 1911 fand hier erstmals der Internationale Frauentag statt. Der rasante gesellschaftliche Wandel wurde von den
Hamburger Führungsschichten durchaus wahrgenommen, sie wollten
aber nichts an der politischen Ordnung ändern. Es ist sicher der
Bürgernähe und der Kontrolle der Hamburger Verwaltung zuzuschreiben,
dass es dabei nur zu begrenzten Konflikten in der Stadt kam. Als 1901
trotz des restriktiven Wahlrechts der Sozialdemokrat Otto Stolten und
1904 zwölf weitere seiner Parteigenossen in die Bürgerschaft
gewählt wurden, verschärfte deren bürgerliche Mehrheit
das Wahlrecht. Dieser "Wahlrechtsraub" führte im Januar
1906 zu heftigen Auseinandersetzungen zwischen Demonstranten, Randalierern
und der Polizei. Zugleich hatte er zur Folge, dass sich neben der seit
Jahrzehnten bestehenden SPD weitere Parteien bildeten. Sie spielten
während der politischen Polarisierung im Ersten Weltkrieg und nach
der Revolution von 1918 eine zunehmende Rolle.
|
|||||||||||