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Hamburg im 20. Jh (1) - 01 - Weltmachttaumel und Wahlrechtskämpfe


Mit der Einbeziehung in das Deutsche Reich 1871 verlor Hamburg zwar einen Teil seiner Eigenständigkeit, die Hamburger Überseekaufleute profitierten aber von der Kolonialpolitik und dem Geltungsstreben des Reiches und so fand der Reichsgedanke immer breitere Zustimmung in der Stadt. Das Bismarck-Denkmal von 1906 ist ein sichtbares Zeichen dieser Einstellung.

Das 1897 eröffnete neue Rathaus beeindruckte durch seine Architektur, es symbolisierte aber keinen Wandel in den Herrschaftsverhältnissen. Wahlberechtigt für die Bürgerschaft waren nur Männer, und von diesen auch nur Besitzer des Bürgerrechts, noch nicht einmal 10 % der Einwohner. Die 18 Senatoren wurden unter Beteiligung der Bürgerschaft auf Lebenszeit gewählt. Ihnen unterstand eine unübersichtliche Verwaltung aus zahlreichen Behörden. Politische Willensbildung fand zwar auch in den zahlreichen Vereinen und den Organisationen der Arbeiterbewegung statt, an den Entscheidungen in der Stadt waren aber nur wenige beteiligt. 1902 wurde in Hamburg der "Deutsche Verein für Frauenstimmrecht" gegründet und 1911 fand hier erstmals der Internationale Frauentag statt.

Der rasante gesellschaftliche Wandel wurde von den Hamburger Führungsschichten durchaus wahrgenommen, sie wollten aber nichts an der politischen Ordnung ändern. Es ist sicher der Bürgernähe und der Kontrolle der Hamburger Verwaltung zuzuschreiben, dass es dabei nur zu begrenzten Konflikten in der Stadt kam. Als 1901 trotz des restriktiven Wahlrechts der Sozialdemokrat Otto Stolten und 1904 zwölf weitere seiner Parteigenossen in die Bürgerschaft gewählt wurden, verschärfte deren bürgerliche Mehrheit das Wahlrecht. Dieser "Wahlrechtsraub" führte im Januar 1906 zu heftigen Auseinandersetzungen zwischen Demonstranten, Randalierern und der Polizei. Zugleich hatte er zur Folge, dass sich neben der seit Jahrzehnten bestehenden SPD weitere Parteien bildeten. Sie spielten während der politischen Polarisierung im Ersten Weltkrieg und nach der Revolution von 1918 eine zunehmende Rolle.


Hamburg im 20. Jahrhundert (1)
- Weltmachttaumel und Wahlrechtskämpfe
- Lebensverhältnisse im Kaiserreich
- Die mobile Großstadt
- Welthafen und Wirtschaftsmetropole
- Revolution in Hamburg
- Demokraten und ihre Feinde
- Im Jahrzehnt der Wirtschaftskrisen
- Groß-Hamburg
- Leben unter dem Hakenkreuz
- Die Abschaffung der Demokratie
- Auf dem Weg in die Kriegswirtschaft
- Verfolgung und Widerstand im NS-Staat
- Hamburg im Krieg
- Vernichtung im Feuersturm

Hamburg im 20. Jahrhundert (2)