Piraterie und Elbsicherung
Mit der Entdeckung Amerikas begann auch Hamburgs Aufstieg zur Handelsmetropole.
Neue Kontakte und Geschäftspraktiken führten im 16. und 17.
Jahrhundert zu einem erheblichen Aufschwung der Stadt in politischer,
wirtschaftlicher und kultureller Hinsicht. Mit der Belebung der Nordseeschifffahrt
und der Sicherung des Elbweges vor Piraten wurde großer Reichtum
in die Hansestadt gebracht.
Neben dem Kampf gegen die Piraten wird auch der spektakuläre Fund
eines Schmugglerschiffes gezeigt, das mit Musketen und Kupferbarren
beladen war.
Kupferhandel und Kanonendonner –
der Schiffsfund von Wittenbergen
Im Jahr 1981 wurden in der Elbe bei Wittenbergen
Teile eines Schiffes und seiner Ladung ausgebaggert. Die Wrackteile
deuten auf ein seegehendes Schiff mit kräftigen Einzelspanten und
Kraweelbeplankung hin. Es besaß eine Kiellänge von ca. 30
m und einen unter 100 Lasten zu berechnenden Schiffsraum. Es war aus
niedersächsischer Eiche gebaut, die um 1571 geschlagen wurde. Spätere
Reparaturstellen datieren zwischen 1595 und 1600.
Die Ladung bestand aus Kupferbarren, Messingschüsseln, Messern,
Tuchen und Musketen. Weitere Funde gehören zum persönlichen
Besitz der an Bord befindlichen Kaufleute und der Schiffsbesatzung.
Die Kupferladung
Der Transport von Kupfer hat den allergrößten Teil des Laderaums
beansprucht. Insgesamt sind etwa 8 t Kupfer geborgen worden. Dabei sind
die Kupferbarren in folgende Typen zu unterscheiden:
• Rohkupfer in Garkupferscheiben, die aus dem sogenannten Saigerprozeß
stammen, bei dem man dem silberhaltigem Rohkupfer durch Zusatz von Blei
das Silber entzog
• rechteckig ausgeschmiedeten Kupferplatten mit den eingestempelten
Wappen der Kammer Neusohl (dem heutigen slowakischen Banska Bystrica)
und der Hausmarke des in Augsburg ansässigen Bankhauses Paller,
das ab 1569 den Neusohler Kupferkauf innehatte
• runde ausgeschmiedete Kupferplatten
• ziegelförmige Kupferbarren mit verschiedenen eingeschlagenen
Marken und Zeichen.
Messer und Schalen
Die formgleichen Gebrauchsmesser mit hölzernem Griff stammen vermutlich
aus Süddeutschland und tragen verschiedene eingeschlagene Punzen.
Vermutlich waren sie entsprechend sortiert in Fässer verpackt.
Die wahrscheinlich ebenfalls in Süddeutschland (Nürnberg?)
hergestellten Messingschalen waren stapelbar. Sie standen noch teilweise
ineinander, als der Bagger sie erfaßte und zusammendrückte.
Tuche
Von den kostbaren Textilien sind nur noch die Tuchplomben übrig
geblieben. Sie zeigen aber, das Ware aus Amsterdam und aus Leiden an
Bord war.
Fernhandel nach Afrika
und nach Indien
Die im Jahr 1981 in der Elbe bei Wittenbergen ausgebaggerten Teile eines
Schiffes und seiner Ladung lassen einen einzigarteigen Einblick in die
Fernhandelsbeziehungen Hamburgs um 1600 zu. Mit Rohkupfer und Messingprodukten
waren über die Verbindung mit Portugal im Afrika und Indienhandel
große Gewinne zu erwirtschaften. Neben Perlen und Edelsteinen
waren es vor allem Gewürze, allen voran der begehrte Pfeffer, die
so auf den europäischen Markt gelangten.
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