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Kirche im Umbruch – Die Reformation
in Hamburg
Vor der Reformation fanden sich in den insgesamt zwölf Hamburger
Kirchen (Dom, vier Stadtkirchen, zwei Klosterkirchen, zwei Spitalkirchen,
St. Gertrudenkapelle, St. Clemenskapelle, St. Georgshospital) etwa 170
Altäre. Sie waren einer Vielzahl von Heiligen geweiht und boten
Gelegenheit zur Andacht. In ihrer prunkvollen Ausstattung spiegelt sich
die zentrale Stellung der Kirche im Leben der Stadt und die opferbereite
Frömmigkeit der Bürger.
Die Volksfrömmigkeit war für außerkirchliche Vorstellungen
trotzdem offen, weil die Kirche selbst und ihre Geistlichen den eigenen
Maßstäben oft nicht mehr genügten. Bereits um 1500 hatte
die selbstsüchtige Ausnutzung von Vorrechten bei gleichzeitiger
Vernachlässigung geistlicher Aufgaben dem Klerus eine weithin feindliche
Stimmung eingetragen. Die reformatorischen Ideen von Martin Luther,
der am 31. Oktober 1517 mit seinen Thesen gegen Papst und Ablaß
in Wittenberg hervorgetreten war, drangen nur allmählich nach Hamburg.
Zunächst war es der Franziskanermönch Stephan Kempe, der zu
Ostern 1523 Aufsehen erregte, als er im Maria-Magdalenen-Kloster die
Bibel, also das Wort Gottes, zum alleingültigen Maßstab für
den Glauben und die Kirche erhob. Obwohl es in der Folgezeit zu heftigen
Auseinandersetzungen zwischen Papisten und Lutheranern kam, formierte
sich bald eine immer größer werdende Gruppe von Anhängern
der neuen Lehre. Um die Reformation auch verwaltungsmäßig
abzusichern, wurde Dr. Johannes Bugenhagen nach Hamburg berufen, der
sich zuvor durch die Neuordnung des Kirchenwesens in Braunschweig einen
Namen gemacht hatte. Bugenhagen gab Hamburg 1529 eine neue Kirchenordnung.
Zwischen 1528–1530 wurden die Hamburger Klöster enteignet
bzw. zerstört oder auch einer neuen Bestimmung zugeführt.
Die Ausgrenzung der Nicht-Lutheraner führte dazu, daß Maria,
ehemals über alle anderen Heiligen hinaus verehrt, denn Hamburg
war mit der Maria als Patronin der Domkirche eine Marienstadt, als katholisch
angesehen wurde. Die ausgeprägte Marienverehrung des 15. Jahrhunderts
fand damit ein Ende.
In der Geschichtsschreibung markiert die Reformation zugleich das Ende
des Mittelalters und den Beginn der Neuzeit.
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